Träume und Wünsche sind wichtig - auch bei der Berufswahl.
Doch niemand sollte sich ausschließlich von seinen
Träumen und Wünschen leiten lassen. Auch eine
gehörige Portion Realismus und Flexibilität sind nötig,
wenn es um die Suche nach dem richtigen Beruf geht.
Drei Fragen stehen dabei im Vordergrund:
Was kann ich? Was will ich? Wie finde ich einen Ausbildungsplatz?
Was kann ich?
Die eigenen Begabungen und Fähigkeiten sind oft
der Schlüssel zum späteren Beruf. Sie gilt es zu
entdecken. Dazu sollte man sich über die eigenen
Interessen, Stärken und Schwächen klar werden.
Bei der Entdeckung des eigenen Potentials sollte man
andere fragen, wie sie einen einschätzen. Das können
zum Beispiel Familie, Lehrer oder Freunde sein.
Denn die eigene Wahrnehmung und die Wahrnehmung
durch andere weichen oft stark voneinander ab.
Nicht selten staunt man, was andere einem alles zutrauen.
Solche Fremdeinschätzungen bieten die Chance, wichtige
Erkenntnisse über die eigene Person zu gewinnen.
Das kann bei der Suche nach dem Berufsbild und der
richtigen Branche sehr hilfreich sein. Wer seine Fähigkeiten,
Stärken und Schwächen kennt, kann leichter feststellen,
ob er auf die Anforderungen des jeweiligen Berufbildes
passt. Übrigens: Eignungsprofile beschreiben oft eine
Idealvorstellung eines Ausbilders oder Arbeitgebers.
Solchen Vorstellungen kann in der Wirklichkeit meist kaum
einer vollständig gerecht werden. Wer vielleicht nicht auf
alle Anforderungen passt, aber trotzdem einige Treffer
landet, sollte nicht aufgeben. Viele Erfahrungen und
Fähigkeiten erwirbt man ohnehin erst in der Praxis.
Genau hier kann man aber schon vor der Bewerbung
ansetzen - mit praktischer Arbeit. Das geht zum Beispiel
über einen Ferienjob oder ein Praktikum, am besten in
einem Bereich, in dem man sich später vielleicht bewerben
will. Dabei gewinnt man nicht nur einen Blick auf das Tätigkeits-
feld, sondern kann auch feststellen, ob sich diese Arbeit auch
wirklich mit den eigenen Vorstellungen deckt. Das ist auch
durch so genannten "Schnupperlehren" für Schüler möglich,
die viele Betriebe anbieten. Wer auf diese Weise schon
praktisch gearbeitet hat, sollte sich das unbedingt bestätigen
lassen - am besten mit einer Beurteilung. Bei einer Bewerbung
können nachgewiesene Praxiserfahrungen die Chancen
erheblich steigern.
Was will ich?
Genau so wichtig wie die Frage nach den persönlichen
Fähigkeiten und Eigenschaften ist die Feststellung der
eigenen Wünsche und Erwartungen an den zukünftigen
Beruf. Je konkreter die Vorstellungen davon sind, um so
geringer ist die Gefahr, enttäuscht zu werden, weil man
sich alles eigentlich ganz anders vorgestellt hatte. Wer weiß,
was er will und seine Fähigkeiten kennt, wird es auch bei der
Berufswahl leichter haben. Oft fällt es leichter zu sagen,
was man nicht will. Wird man aber gefragt, was man will,
kommen viele ins Grübeln. Doch es gibt immer Anhaltspunkte,
die bei der Beantwortung dieser Frage helfen können.
Solche Anhaltspunkte können sich zum Beispiel aus den
eigenen Freizeitaktivitäten ergeben. Das heißt nicht gleich,
dass man sein Hobby zum Beruf machen sollte. Aber hier
bemerkt man schnell, was einem Spaß macht und welche
Tätigkeiten einem liegen. Wer etwa gerne Flugzeugmodelle
baut, wird sich vielleicht nicht gleich als Pilot eignen (vielleicht
auch doch). Aber aus der Freude am Umgang mit Holz, Folie,
Motoren und den Werkzeugen entwickelt sich möglicherweise
eine berufliche Vorstellung, die in eine ganz andere Richtung geht.
Andere Anhaltspunkte können sich aus dem Familien-,
Freundes- und Bekanntenkreis ergeben. Wer jemand kennen
lernt, dessen Beruf ihn interessiert, sollte unbedingt genauer
nachfragen. Oft springen dabei interessante Erkenntnisse
heraus, die den eigenen Berufswunsch schärfen können.
Eine eher untergeordnete Rolle sollten dagegen gute Verdienst-
möglichkeiten, das gesellschaftliche Ansehen eines Berufs oder
das Wunschdenken der Eltern spielen. Viel wichtiger ist es,
sich die eigenen Erwartungen an eine berufliche Position,
die Entwicklungswünsche und die künftigen Arbeits-
bedingungen bewusst zu machen. Nicht alles lässt sich
realisieren. Immer wieder sind auf dem Weg zum Beruf
auch Kompromisse notwendig. Nicht zuletzt auch aufgrund
der angespannten Arbeitsmarktlage, ist ein realistischer
Blick bei der Suche nach dem eigenen Weg immer angebracht.
Trotzdem sollte das nicht dazu führen, irgendeine Lehrstelle
um jeden Preis anzunehmen.
Wie finde ich meinen Ausbildungsplatz?
Ist man sich über den eigenen Weg klar geworden, gibt
es vielfältige Möglichkeiten, nach einem Ausbildungsplatz
zu suchen. Wichtig ist in jedem Falle, rechtzeitig mit der
aktiven Suche zu beginnen. Zu beachten ist, dass man
sich nicht auf zu wenige Berufe beschränkt, sondern immer
auch Alternativen parat hat, um bei einer eventuellen
Ablehnung der Bewerbung nicht völlig leer auszugehen.
Optimal ist es, wenn man bei Firmen anfragt, die man
schon durch Praktika oder Ferienjobs kennen gelernt hat.
Konnte man dort einen guten Eindruck hinterlassen,
steigen die Chancen stark an. Eigeninitiative lohnt sich.
Das persönliche Nachfragen bei Firmen kann Lehrstellen-
angebote zu Tage fördern, die noch gar nicht ausgeschrieben
wurden. Neben dem Stellenanzeigenteil der Tageszeitungen
finden sich weitere Lehrstellenangebote zum Beispiel auf
den Internetportalen von Industrie- und Handelskammer,
der Handwerksinnungen, der Wirtschaftsverbände und der
Gewerkschaften. All diese Onlineangebote bieten neben
einer detaillierten Profilsuche viele wertvolle Hinweise zu
Berufsbildern, zur Berufswahl und zur optimalen Bewerbungs-
strategie. Auf die Lehrstellensuche spezialisiert sind natürlich
auch die Berufsberatungszentren der Bundesagentur für
Arbeit. Hier helfen qualifizierte Berufsberater bei der Suche
nach dem richtigen Ausbildungsplatz. Sie informieren über
Bewerbungs- und Anmeldefristen sowie Einstellungsvor-
raussetzungen, und können Betriebe oder Schulen vorschlagen,
bei denen man sich bewerben kann. Die Berufsberaterinnen und
Berufsberater wissen, welche Anforderungen an eine Bewerbung
gestellt werden, und geben Hinweise, wie man seine eigene
Bewerbung möglichst optimal gestalten kann. Mit ihnen kann
man auch darüber sprechen, worauf es bei einem Einstellungs-
test ankommt und wie man sich auf Vorstellungsgespräche
vorbereitet. Die Berufsberatung vermittelt auch spezielle
Ausbildungsgänge für Behinderte und hilft auch dann weiter,
wenn die Suche nach der Lehrstelle bisher erfolglos geblieben ist.